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Offener Brief an den Chefredakteur des St.Galler Tagblatts

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

Angesichts des am 27. Juni 2007 im Tagblatt abgedruckten „Dialogs“ zwischen Ihnen und Herrn Schulz, wären unsererseits noch einige Ergänzungen und Richtigstellungen erwünscht. Vorweg: Wir finden es schön, dass der Versuch eines Daloges bzw. einer Diskussion gestartet wurde. Diskussionen sind, unserem Ermessen nach, etwas vom wichtigsten und notwendigsten im Hinblick auf sozialrevoltionäre Inhalte. Trotzdem sind wir nicht ganz zufrieden mit Ihrer Antwort auf unseren Leserbrief. Dies nicht, weil wir Ihre persönlichie Meinung nicht akzeptieren würden, sondern weil einige Punkte und Aussagen bezüglich unserer Gruppierung schlichtweg nicht korrekt wiedergegeben wurden. Wir finden es daher wichtig und notwendig einige Erläuterungen und Richtigstellungen im Bezug auf die Libertäre Aktion Ostschweiz zu geben und zusätzlich dazu noch einige inhaltliche Anmerkungen zu Ihrer Antwort zu formulieren.

In Ihrer Antwort haben Sie in Klammern angemerkt, dass unsere Gruppierung dem so genannten „Wir wollen alles“-Bündnis angehöre. Dies ist korrekt. Dieses Bündnis haben Sie in Ihrer Antwort mit dem „Weg der Anarchisten“, der oft gewalttätig und unschön sei, in Verbindung gebracht. Wir wissen nicht wie genau Sie sich mit den Inhalten dieses Bündnisses auseinandergesetzt haben, jedoch wird in den Forderungen dieses Bündnisses kein einziges Mal zu Gewalt aufgerufen. Ganz im Gegenteil: Das „Wir wollen alles“-Bündnis, das im Zusammenhang mit dem 1.Mai 2007 entstand, hat sogar gezielt versucht die „Zürich-Tradition des Randalierens“ zu durchbrechen und möglichst viele Menschen zur Teilnahme an den Demonstrationen in St.Gallen, Bern, Winterthur und Thun zu motivieren.

Da wir nun schon bei der Gewaltfrage angelangt sind, finden wir es notwendig eine kurze Stellungnahme unsererseits zum Thema Gewalt zu formulieren: Wir lehnen Gewalt als Mittel des politischen Kampfes grundsätzlich ab! Gewalt als Mittel zum Ziel bedeutet soviel wie Herrschaft als Mittel zum Ziel, denn Gewalt ist eine Form von Herschaft. In unserer politischen Agitation distanzieren wir uns daher gezielt von der Anwendung von Gewalt; weder verwenden wir sie, noch rufen wir dazu auf. Gerade der „anarchistische Weg“, wie Sie dies in Ihrer Antwort schrieben, definiert sich dadurch, dass das Ziel in den Mitteln vorhanden sein soll. Gewalt und Herrschaft sind weder Ziel noch Mittel eines sinnvollen Kampfes zur Befreiung einer Gesellschaft, die sich genau durch die erwähnten Mittel aufrecht erhält. Soviel zu unseren Grundsätzen im Bezug auf Gewalt.

Weiter wollen wir noch einige Anmerkungen zu der von Ihnen angesprochenen „Progaganda der Tat“ hinzufügen, die vor nicht allzulanger Zeit noch von vielen Anarchisten und Anarchistinnen als legitimes Mittel zum Kampf betrachtet wurde. Wir nehmen uns an diesem Punkt das Recht eine Passage Ihrer Antowort zu Zitieren, um danach argumentativ darauf einzugehen und einige Vergleiche aufzustellen.

In Ihrer Antwort auf unseren Leserbrief schrieben Sie:

„Muss ich Sie, der sich in der Geschichte der Anarchie gewiss besser auskennt als ich, daran erinnern, dass die Gründerväter des Anarchismus – Kropotkin, Bakunin und andere – eine «Propaganda der Tat» befürworteten, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Häufung von Bombenattentaten auf Monarchen und Staatsmänner führte? Von Zar Alexander II. über den US-Präsidenten McKinley bis hin zu Kaiserin Elisabeth («Sissi») von Österreich fielen damals zahlreiche Monarchen und Staatsoberhäupter dem anarchistischen Bombenterror zum Opfer. Zu jener Zeit begann die Öffentlichkeit, Anarchismus mit Terror gleichzusetzen.“

Ihre Wiedergabe der sogenannten „Propaganda der Tat“ ist durchaus korrekt und über den Irrsinn dieser Taktik und Vorgehensweise müssen wir wohl auch nicht eingehend diskutieren. Trotzdem wollen wir noch einen Vergleich aufstellen, der für die differenzierte Betrachtung der angesprochenen Thematik zentral und notwendig ist. In Ihrem Text sprechen Sie drei Staatsoberhäupter an, die den Attentaten der „Propaganda der Tat“ zum Opfer fielen. Sie haben Beispiele gegeben von Opfern, die auf das Konto der Anarchisten und Anarchistinnen gehen. Wir wollen Sie freundlich darauf hinweisen, dass Sie in Anbetracht der drei genannten Opfer von anarchistischen Attentaten nicht vergessen dürfen auch alle Opfer zu erwähnen, die auf das Konto der herrschenden Ordnung und der Staaten dieser Welt gehen. Spätestens wenn dieser Vergleich aufgestellt ist, sollte man sich im Klaren darüber werden, wie lächerlich winzig die anarchistischen Attentate verglichen mit allen Kriegsopfern und Hungeropfern aussehen. Die zahlenmässigen Grössenunterschiede reichen bis ins Unermessliche, ja bis ins Absurde. Trotzdem rücken solche Attentate, die vielleicht zum Tode von ein paar Dutzenden Menschen geführt haben, mehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion als die Milliarden von ungezählten und vergessenen Hungerofper und Kriegsopfer, die den Strukturen des modernen Kapitalismus zum Opfer fielen. Wer sich dessen bewusst ist, wird sich schnell merken, wer und was denn in Wahrheit am meisten Menschen umgebracht hat und im Endeffekt wer der „wahre Terrorist“ ist.

Im Folgenden werden wir noch einige weitere Dinge ansprechen, die Sie erwähnt haben. Hierzu auch wieder ein Zitat von Ihnen:

„Wer Aktionen erlebt hat, oder in den Schriften anarchistischer Gruppen liest, wie und wozu sie sich legitimiert fühlen, wie Gesetze und Institutionen des Staates verhöhnt werden, der wird das idyllische Bild gewaltloser Gutmenschen, das Sie zeichnen, nicht mehr für bare Münze nehmen. Auch Ihr Sprachgebrauch, sehr geehrter Herr Schulz, zeigt deutlich, wie radikal Sie argumentieren – und bei Gelegenheit wohl auch handeln. Auf Ihrer Homepage propagieren Sie unter dem Motto «Raus aus dem ganzen Scheiss!» immerhin auch «wilde Streiks, Sabotageaktionen» und anderes mehr – und das, so hoffen Sie, «wird erst der Anfang sein.» Ihr Denken und Tun ist also nicht so harmlos, wie Sie es gerne dargestellt haben möchten.“

Sehr irritierend auf uns wirkte der schleichende Versuch einer Kriminalisierung, der durch Ihre Formulierung „Auch Ihr Sprachgebrauch, sehr geehrter Herr Schulz, zeigt deutlich, wie radikal Sie argumentieren – und bei Gelegenheit wohl auch handlen“ veräusserlicht wurde. Dies ist offensichtlich nicht bloss der Versuch einer Kriminalisierung, es ist sogar ein Versuch der grundlosen und gemeinen Diffamierung, der von Ihrer Seite her kommt.
Auch die erneute falsche Deutund des „Wir wollen alles“-Bündnisses zeugt wohl eher von einem diffusen Gewaltbegriff, als von einem tatsächlichen Verständnis dessen, was das Bündnis fordert. Wilde Streiks und Sabotageaktionen werden sofort und grundlos mit Gewalt assoziiert. Wieso eigentlich? Weder (wilde) Streiks nocht Sabotageaktionen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit Gewalt. Zudem: Wieso erwähnen Sie beispielsweise nicht auch die im Bündnisaufruf geschilderte Forderung nach Bildungsprojekten und Bildungsförderung?

Alles in allem sind wir nicht zufrieden mit der Wiedergabe unserer Prinzipien und wir finden es zudem schade, dass Sie ohne irgendeine Begründung unsere Gruppierung – oder zumindest eine Person daraus – kriminalisiert haben und versucht haben uns bzw. Herrn Schulz Gewaltbereitschaft unterzujubeln.

Uns ist natürlich klar aus welchen Gründen Sie im abgedruckten „Dialog“ das letzte Wort hatten und genauso klar ist es, wieso wir ihre Antwort nicht vor Abdruck lesen durften. Schon von anfang an haben Sie damit gerechnet, dass wir unser Einverständnis für den Abdruck des „Dialogs“ nicht gegeben hätten, wenn wir Ihre Antwort im vorhinein gelesen hätten. Stattdessen haben wir mit guten Absichten zugesagt und versucht unsere persönliche Meinung zu einem Ihrer Artikel abzugeben, mit dem wir nicht ganz zufrieden waren. Anstatt unsere persönliche Meinung über die in Ihrer Zeitung dargestellten Dinge unverfälscht stehenzulassen und abzudrucken, haben Sie leider unsere Meinung, die wir durch Ihre Zeitung in der Öffentlichkeit kundtun wollten, verfälscht und verwässert. Schade.

Wir bitten um Ihr Verständnis und senden Ihnen unsere herzlichsten Grüsse,

Hochachtungsvoll

Libertäre Aktion Ostschweiz

Wir sind NICHT die Schweiz!

Ein Aufruf zur Zerstörung der Nation

Bereits zum dritten Mal findet unter dem Titel «Wir sind die Schweiz» eine schweizweite Grossdemonstration statt. «Gleiche Rechte für alle» fordern die OrganisatorInnen im Untertitel des Aufrufes und machen sich für ein «Recht auf Mitsprache im Staat» für alle stark. Dass Illegalisierte die gleichen Rechte fordern, welche SchweizerInnen besitzen, ist verständlich. Die Verbesserung des Rechtsstatus ist für viele MigrantInnen ein materielles oder gar existenzielles Interesse. Doch die Parole der Demonstration lautet nicht «Nieder mit den Grenzen» oder «für freies Fluten», was dringend nötig wäre: Es geht im Aufruf nicht um eine autonome Organisierung für materielle Interessen und uneingeschränkten Aufenthalt für alle. Stattdessen wird die konstruktive Teilnahme am Staat unter dem Motto «Wir sind die Schweiz» gefordert.

Um zu erkennen, was diese Forderung letztlich bedeutet, muss man sich erstmal Rechenschaft darüber ablegen, was denn diese Schweiz ist, die wir alle sein sollen. Die Schweiz ist ein Staat mit festen Grenzen, Gesetzen und Institutionen zur Sicherung der bestehenden kapitalistischen Verhältnisse. Wenn sich nun einige (linke) PatriotInnen dazu bemüssigt fühlen, innerhalb dieser staatlichen Grenzen ein «Wir» zu konstruieren, so beziehen sie sich positiv auf die repressive Einrichtung namens Nationalstaat – auch wenn sie die MigrantInnen in dieses «Wir» mit einbeziehen. Das machen sie gleich selbst deutlich, indem sie sich auf die durch den Staat zumindest formell gewährten Rechte und Pflichten beziehen und eine Mitsprache – und damit faktisch eine konstruktive Beteiligung – am Staat fordern.
Dem Aufruf ist der erste Artikel der «Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte» beigestellt. Wie alle Rechte brauchen auch die Menschenrechte eine bewaffnete Instanz, welche ihre Durchsetzung garantieren kann und so ist es auch: Noch im hinterletzten von einer demokratischen Nation geführten Krieg geht es doch hochoffiziell um die Durchsetzung der Menschenrechte. Sei dies nun im Kosovo, in Afghanistan oder kürzlich im Irak. Die realen nationalen Interessen verschwinden hinter humanem Geraune. In der Regel decken sich die wirklichen materiellen Interessen auch mit den Menschenrechten, da der Normalmodus kapitalistischer Ausbeutung in stabilen gesellschaftlichen Verhältnissen leichter rund läuft. Und genau dies versprechen die Menschenrechte, indem sie das Recht auf Privateigentum, die Freiheit, seine Arbeitskraft zu verkaufen, die Zugehörigkeit zu einer Nation und den Rechtsstatus als solchen garantieren. So ist die Frage zwischen Diktatur und demokratischer Herrschaft eine der ökonomischen und politischen Nützlichkeit. Kurzum: Die Menschenrechte sind (in Form der Bürgerrechte) schlicht die Grundlage der kapitalistischen Gesellschaft.
Natürlich ist es zu unterstützen, dass niemand gefoltert oder in Sklaverei gehalten wird! Doch dass dieser menschenvernünftige Umstand in Gesetze gegossen werden muss, sagt vieles über die kapitalistische Gesellschaft aus. In einer Welt, in der die Menschen in Konkurrenz gegeneinander geworfen werden und sich Klassen objektiv unversöhnlich gegenüberstehen – unabhängig davon, ob diese an der Oberfläche wahrnehmbar sind –, braucht es eine Rechtsform und deren Garanten, damit sich die einzelnen Menschen, die Klassen und letztlich die Staaten nicht gegenseitig an die Gurgel gehen. Dass der grösste Teil der Weltbevölkerung als Teil der ausgebeuteten Klasse allen Grund hätte, dem System und seinen RepräsentantInnen an die Gurgel zu gehen, das will weder die linke Politikerin, noch der nette Sozialarbeiter hören.

Ausbeutung findet immer statt, wo unter kapitalistischen Bedingungen gearbeitet wird. Denn Arbeitsplätze gibt es ganz grundsätzlich nur, wenn ein Mehr an Wert produziert wird, als den ArbeiterInnen ausbezahlt werden muss. Das ist auch schon der ganze Witz der Ausbeutung: Wir produzieren mehr, als wir erhalten. Dass diese Tatsache sich bei Illegalisierten in elenden Lebens- und Arbeitsverhältnissen widerspiegelt, ist dabei die krasseste Ausformung eines Systems, das grundsätzlich auf der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft basiert. Was wir mit den Illegalisierten teilen, ist der Umstand, dass wir unsere Arbeitskraft verkaufen müssen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Dieser Erkenntnis steht eine nationale Identität («Wir sind die Schweiz») im Wege. Der Staat ist eben keine neutrale Sphäre, die über den wirtschaftlichen Zwängen schwebt, sondern er ist der Staat des Kapitals, der die optimalen Ausbeutungsbedingungen erst garantiert. Wirtschaftsflüchtlinge, Kriege und kontinentale Abschottungen sind Produkte des gesellschaftlichen Fundaments, der kapitalistischen Produktionsweise, welche durch den Nationalstaat aufrechterhalten wird.
Diesen Zustand (den Kapitalismus) abzuschaffen, mitsamt den Kräften und Instanzen, die ihn zu verewigen trachten, dass ist das gemeinsame Interesse, welches wir als weltweite Klasse der Lohnabhängigen haben. Und genau da müssen wir gemeinsam ansetzen: An der Abschaffung dieser scheiss Verhältnisse; an der Abschaffung von Klassengesellschaft und Nationen!

Wir sind nicht die Schweiz
Klassenkampf statt (linkem) Nationalismus

Eiszeit ¦ LAO ¦ Systembruch
www.eiszeit.tk ¦ lao.blogsport.de ¦ s-bruch[at]gmx[punkt]ch

Sozial- und Umweltforum 2007

Am 4. & 5. Mai 2007 fand das dritte Umwelt- und Sozialforum (SUFO) in St.Gallen statt. Auch wir waren vor Ort und haben mit Flugblättern auf die (oft) verkürzte Kritik des SUFO’s aufmerksam gemacht. Am Samstag Nachmittag gab es dann noch eine kleine Kundgebung durch St.Gallen. Auch da waren wir wieder mit Transparenten und einigen Fahnen dabei. Unsere Forderungen für das SUFO 2007 waren “Systemanalyse statt Esoterik”, “Fundierte Kritik statt Öko-Spiritualität” und “Revolutionäre Praxis statt Moral und Ethik”:

Eine andere Welt ist möglich! – Aber nicht durch systemtreue und moralische Forderungen

Das alljährliche Motto des „Sozial- und Umweltforum Ostschweiz“ ist auch dieses Jahr das gleiche geblieben: Eine andere Welt ist möglich. Mit einer vielzahl von esoterischen und moralisch ausgerichteten Workshops soll diesem Motto auch dieses Jahr treu geblieben werden. Doch was bedeutet dieses „Eine andere Welt ist möglich“ überhaupt? In was für einer Welt leben wir denn zur Zeit? Und was ist schlecht an dieser Welt? Diese Fragen versucht das Sozial- und Umweltforum zu beantworten, bleibt dabei jedoch immer in bestehenden Denkmustern gefangen und bleibt alles in allem system- bzw. kapitalismustreu. Kurz: Was das SUFO die letzten Jahre geboten hat und was das SUFO – gemäss Programm – auch dieses Jahr wieder bieten wird, ist nichts anderes als verkürzte Kritik.

Falsches Kapitalismusverständnis

In was für einer Welt leben wir denn tatsächlich? Wir leben nicht – wie das SUFO zu vermitteln scheint – in einer Welt von schlechten und unmoralischen Menschen, die aus egoistischen Gründen andere Menschen ausbeuten, die Umwelt verschmutzen und Kriege führen. Es ist nicht die Habgier, die Unersättlichkeit und die Böswilligkeit der Menschen, die unsere Welt geschaffen hat. Krieg, Ausbeutung, Umweltverschmutzung, Sexismus und Rassismus sind nicht schlechte Eigenschaften des Menschen, die zu korrigieren wären, sondern sie sind strukturelle Phänomene der wirtschaftlichen Struktur und der herrschenden Zwecke in denen wir leben. Der Kapitalismus ist als allumfassendes System zu verstehen und nicht als Wirtschaftssystem, das eigentlich ganz in Ordnung wäre, wenn die Menschen ein bisschen netter und moralischer wären. Die schlechten Tugenden, die als korrigierbare Nebenerscheinungen des Kapitalismus verstanden werden, sind vielmehr dem Kapitalismus inhärent und bilden den Kern seiner Struktur. Das Kapitalismusverständnis, welches das SUFO vermittelt, ist daher ein völlig falsches.

„Eine andere Welt“ im Kapitalismus ist nicht möglich!

Systemüberblickende Forderungen und unverkürzte Kapitalismuskritik

Eine wirklich grundsätzlich andere Welt ist nur möglich, wenn der Kapitalismus als ganzes überwunden wird. Systemtreue Forderungen, moralische Grundsätze und esoterische Illusionen können uns nicht weiterbringen, sondern lassen uns nur im alten Sumpf des Kapitalismus stecken bleiben. Nicht die überreichen Bonzen und die bösen Grosskonzerne müssen kritisiert werden, nicht die fehlinterpretierte Unmoral des Menschen muss kritisiert werden, sonder die kapitalistische Logik muss als ganzes kritisiert werden. Es nützt nichts, mehr Arbeitsplätze, ein wenig mehr Lohn und ein bisschen mehr Sozialstaat zu fordern. Diese Forderungen bieten keine langfristigen Perspektiven für die Arbeiter- und Arbeiterinnen. Schluss mit diesen verkürzten und abgestumpften Forderungen!
Der Prozess des Begreifens, dass Änderungen im Kapitalismus niemals langfristige Perspektiven sein können, muss endlich wieder einsetzen und in die Praxis umgesetzt werden. Die erhofften Verbesserungen von Staat und Politik her, unabhängig von der parteilichen Ausrichtung, müssen verworfen werden. Das Vertrauen auf Politik und Staat ist ein gefährliches Vertrauen, das sich im Nachhinein meist als Fehler erweist. Daher müssen wir anfangen von der Basis her den Kapitalismus anzugreifen. Die „neue Welt“ muss von unten kommen, das heisst von der Klasse der Lohnabhängigen selbst. Selbstbestimmung, Solidarität, Herrschaftsfreiheit und unverkürzte Kapitalismuskritik müssen die Grundlage des Kampfes gegen den Kapitalismus sein. Eine soziale Revolution – und nichts anderes – darf das Ziel des Kampfes sein.

Wir wollen alles! Nicht nur am 1.Mai, sondern auch am SUFO!

1. Mai 2007

Zum ersten Mal ein revolutionärer Block an der 1. Mai Demo in St. Gallen

Das überregionale „Wir wollen alles!“ Bündnis beteiligte sich auch an der 1.Mai Kundgebung in St.Gallen und trat mit klar revolutionären und libertären Forderungen auf. Daran teil nahm auch die Libertäre Aktion Ostschweiz, die sich an der überregionalen Kampagne beteiligte. Die neu formierte „Libertäre Aktion Ostschweiz“ sowie das „Wir wollen alles!“ Bündnis forderten – wie der Name schon sagt – „Alles für alle!“. Wir geben uns nicht mit einer einfachen Lohnerhöhung, ein bisschen besseren Arbeitsbedingungen und ein wenig mehr Sozialstaat zufrieden. Wir wollen mehr! Wir wollen alles…
In einem libertären Block wurde versucht die traditionellen, abgestumpften Forderungen der systemtreuen Gewerkschaften und der Parteien zu durchbrechen und mit systemüberblickenden und radikalen Forderungen die Menschenmasse zu erreichen. Zudem nahm sich das Bündnis zusammen mit der trotzkistischen Gruppierung „Revolution“ – mit deren Inhalten wir uns jedoch nicht identifizieren können! – die Freiheit das Rednerpult zu „stürmen“ und eine Rede zu halten. Auch der Jugend sollte eine Stimme gegeben werden und die Reden und Anliegen, die am 1.Mai hinausgetragen werden, sollen nicht immer im gleichen Sumpf von reformistischen Illusionen und gewerkschaftlicher Plattheit bleiben.
Für eine revolutionäre und libertäre Linke!

1.Mai

1.Mai

Aufruf des „Wir wollen alles“ – Bündnisses

Wir wollen alles!
Heraus zum 1. Mai!

Wer wir sind

Das Wir wollen alles!-Bündnis entstand im Vorfeld des 1. Mai 2007. Verschiedene libertäre Gruppierungen aus der ganzen Schweiz sind Teil davon. Wir rufen dieses Jahr zu mehreren Demonstrationen in der Schweiz auf und fordern am 1. Mai und auch sonst: Wir wollen alles!

Immer weniger für immer mehr

Auch dieses Jahr ist gekennzeichnet vom Abbau der Sozialleistungen, Kürzungen im Bildungswesen und der Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse. Auch dieses Jahr klingelt früh morgens der Wecker und auch dieses Jahr reproduzieren wir das, was uns Tag für Tag in neue und alte Zwänge drängt, indem wir unsere Arbeitskraft für einen Lohn verkaufen, welcher immer unter dem Wert des von uns Produzierten liegen muss. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter müssen ihre Arbeitskraft auf mehrere Jobs verteilen, die Arbeitszeiten steigen und trotzdem kommt tendenziell immer weniger Einkommen in die eigene Tasche und Jahr für Jahr sinkt die Kaufkraft der Arbeiterinnen und Arbeiter. Studentinnen und Studenten, welche nicht vom Staat oder ihren Eltern unterstützt werden, müssen sich ihr Studium mit Nachtarbeit unter schlechten Bedingungen finanzieren und Schülerinnen und Schüler werden bereits in jungen Jahren mit dem alles umfassenden kapitalistischen Alltag konfrontiert, in dem Jobs Mangelware sind und die Einbussen so hoch, dass sie schnell begreifen, „oben“ zu kriechen und unten zu treten. Leider merken dabei nur wenige, dass Perspektiven im Kapitalismus immer nur Perspektiven fürs Kapital und nie für diejenigen sind, welche die Existenz des Systems überhaupt erst garantieren – die Klasse der Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeitern. Sie glauben immer noch an die märchenhafte Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär.

Die aus dem System entstehende Standortkonkurrenz hat auch zur Konsequenz, dass zwischen Nationalitäten vermeintlich bestehende Unterschiede reproduziert werden. Wenn sich die Klasse schon als solche zu begreifen droht, soll sie doch wenigstens in die rassistischen Schemen gepresst werden.

Keine Perspektiven mit systemtreuen Gewerkschaften und Sozialdemokratie

Der Prozess des Begreifens, dass die Verwertung der Arbeitskraft keine Perspektive für ein angenehmes Leben in Wohlstand ermöglicht, hat längst begonnen. Dort gilt es anzusetzen und mitzukämpfen. Wer sich in dieser Situation mit Repräsentanten und Repräsentantinnen der herrschenden Klasse an einen Tisch setzt, um die „soziale Frage“ zu erörtern, macht sich zu deren Handlangerin und Handlanger. Weder die Sozialdemokratie mit ihrer klassenfeindlichen Politik noch die Gewerkschaften mit ihren altbackenen Halbweisheiten, welche schlussendlich immer nur über den Popularitätsanspruch in der Politik und das eigene finanzielle Budget bestimmt werden, zeigten und zeigen Perspektiven für die Arbeiter- und Arbeiterinnenklasse auf. Sie sind nur als regulierender und integrativer Teil des Ganzen zu verstehen, denn immer dann, wenn Arbeitskämpfe revolutionäre Tendenzen aufweisen, verhindern und blockieren Gewerkschaften diese. Beispiele verhinderter und blockierter Kämpfe gibt es viele – Es ist an der Zeit, daraus zu lernen und sich selbst zu organisieren.

Verteidigung des Wirtschaftsstandortes

Der Gegensatz zwischen Kapital und Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeitern wird mit allen Mitteln verteidigt. Der Staat übernimmt hier eine wesentliche Funktion. Der Sozialstaat baut sich zwar selbst immer weiter ab – zu Gunsten des Kapitals – greift aber mit aller Härte in Streiks und Kämpfe auf der Strasse ein und übernimmt so eine regulierende Aufgabe. Der Wirtschaftstandort wird von sämtlichen Parteien und mit allen Mitteln verteidigt. Rücksicht auf diejenigen, welche die Folgen dieser Standortpolitik tragen müssen, wird natürlich keine genommen.

Nicht unsere Gesellschaft!

Während hunderttausende Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Strasse stehen, werden die Arbeitsbedingungen für die Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter kontinuierlich prekarisiert. Wer sich in dieser Lage noch traut nach etwas mehr Lohn oder Freizeit zu fragen oder nur schon versucht, die bestehenden Arbeitsbedingungen zu verteidigen, bekommt zu hören, dass Draussen noch Massen stehen, die auch einen Job wollen. So prostituieren sich immer mehr für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, welche dem ständigen Konkurrenzdruck auf dem globalen Markt ausgeliefert sind und selbst wenig Möglichkeiten haben, die Prekarisierung einzudämmen. Dieses System lässt keine Veränderung im System zu. Es kann nur gesamthaft überwunden werden.

Die rasante Verschlechterung der eigenen Lebensumstände wird als natürlicher Prozess für diejenigen verstanden, welche sich eben zu wenig angestrengt haben, nicht gescheit genug sind oder eben einfach aus der falschen Familie oder dem falschen Land stammen. Meist sind alle Länder, ausser natürlich das eigene, irgendwie falsch. Die Selbstverständlichkeit des natürlichen Rechts auf ein angenehmes Leben und Wohlstand existiert im Kapitalismus nicht. Die Vorstellung, einzelne Arbeiterinnen und Arbeiter hätten die Möglichkeit sich dies zu erarbeiten, entpuppt sich immer wieder als verklärtes Geschwätz. Mit einem solchen Verständnis können wir uns nicht identifizieren. Eine solche Gesellschaft ist nicht unsere Gesellschaft.

Darauf scheissen wir & wollen alles!

Die bürgerlichen Medien haben den ersten Mai seit Jahrzehnten immer wieder als rituelles Rumlatschen und die dazugehörende Randale dargestellt. Darauf scheissen wir. Der erste Mai mag für einige von uns ein besonderer Tag des Widerstandes sein, reiht sich aber ein in die alltägliche antikapitalistische Praxis, welche in der Schule beginnt, im Betrieb und in der Uni weitergeht und in den eigenen vier Wänden noch nicht zu Ende ist. So nutzen wir also den 1. Mai für diese Kampagne, welche sich nicht an diejenigen richtet, welche glauben, mit Abstimmungen und Wahlen den Kapitalismus zu überwinden. Sie richtet sich auch nicht an diejenigen, welche glauben, mit der Machtergreifung im Staat eine klassenlose Gesellschaft zu erreichen, sie richtet sich auch nicht an diejenigen, welche von nationaler Identität und Einheit schwatzen oder den Kapitalismus als jüdisch-amerikanische Verschwörung wahrnehmen. Diese Kampagne richtet sich an diejenigen, welche sich jeden morgen um 7 Uhr angeschissen fühlen, aus dem Alltag ausbrechen wollen, keinen Bock auf (Re-)Produktion des Systems haben, welches sie Tag für Tag fertig macht. Diese Kampagne steht für all diejenigen, welche die Überwindung des Kapitalismus und der damit verbundenen Zwänge anstreben, die klassen- und staatenlose Gesellschaft erreichen wollen und Bruchstellen erkennen, an welchen angesetzt werden kann. Sei es im Betrieb, in der Uni, in der Schule oder wo auch immer Gegensätze existieren.

Wir wollen eingreifen, mitkämpfen und uns selbst organisieren. Möglichst herrschaftsfrei, solidarisch und kämpferisch. Wilde Streiks, Sabotageaktionen, Informationsprojekte, Bildungskämpfe oder Beteiligung an dieser Kampagne. Es gibt genügend Wege zur sozialen Revolution – beschreiten wir sie!

Raus aus dem ganzen Scheiss!
Luxus für alle!
Lohnarbeit abschaffen!
Den kapitalistischen Alltag durchbrechen!
Herrschaftsfreiheit und Solidarität!
Geschlechterrollen zerschlagen!
Bildung für alle!
Gegen jeden Antisemitismus und Rassismus!
Kein Fussbreit für Faschismus!
Betriebe in die eigenen Hände nehmen!
Für die Freiheit – Für das Leben!
FÜR DIE ANARCHIE

Wir wollen alles!

Unterzeichnende Gruppen (Stand 4. April 2007)

1. Mai Aktionsgruppe Bern
Anarchistische Aktion
Antifarecherche Thurgau
Bündnis alle gegen rechts
Fau Murifeld
Fau Thun
LAO – Libertäre Aktion Ostschweiz
LAW – Libertäre Aktion Winterthur
Libertäres 1. Mai Bündnis Thun
Sacco&Vanzetti Records



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Willkommen auf unserer Übergangspage... Dies ist die Übergangspage der Libertären Aktion Ostschweiz. In Kürze wird die offizielle und viel umfassendere Homepage aufgeschaltet. Die Übergangspage ist leider noch nicht so umfassend. Trotzdem wünschen wir dir viel Spass beim Erkunden dieses Blogs… Für eine herrschaftsfreie und solidarische Gesellschaft!

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